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Samstag, 20. Juli 2019

Reiseroman über den schönsten Fluß Frankreichs die Saône (Version 2)

Die schönen Kirchtürme in Burgund (c) Rüdiger Steinacher
Reiseroman über den (vom) schönsten Fluß Frankreichs die Saône.
Reiseroman vom  Hausboottörn (Haus-Bootsurlaub) auf der Saône im Juni 2019, herrliche unvergessliche drei Wochen.
Leider ist der Roman nicht in seiner einmaligen Urform eingestellt worden, vor allem die Bilder fehlen, Sorry wir arbeiten daran. Dies ist kein Problem der Autorin, sondern des Admini. 
Vorerst also nur die nicht einwandfrei formatierte Textform.
© Copyright by R. D. Marly-le-Roi 6/2019 (IO+Purser auf der Deluz)

Das Problem mit der Urform konnte nun mittlerweile gelöst werden, siehe unten, vor den vielen Bildern, beginnt mit der Autorin.


Ray s/Saône. Die Landschaft ist ausgesprochen schön und romantisch und pittoresk  (c) Rüdiger Steinacher

So sehen die Anlegestellen (Halt) an der Saône aus (c) Rüdiger Steinacher






Ferien Juni 2019

Dieses Jahr ist ein ganz besonderes Jahr – ich darf zum ersten Mal einen "richtigen" Hausbooturlaub erleben. 2018 konnte ich schon mal "reinschnuppern" und fand die Sache ganz interessant. Diesmal hat mein "Partner" eine Flussfahrt geplant, wir werden 3 Wochen in der französischen Region "Bourgogne-Franche-Comté" auf dem Saône-Fluss schippern.
Am 1. Juni geht es los. . .


Das 1. Kapitel
... wo ich die Beteiligten vorstelle

Der eigentliche Initiator dieser Ferien ist ein sehr netter, "älterer" Herr, ein alter Hase der Schifffahrt und versierter Süßwasser-Kapitän. Rüdiger ist 78 Jahre alt und hat 49 Jahre Binnenschifffahrt unterm Bug (*) (in den Wanten*?). Er ist Österreicher und vor allem Tiroler (!!) und wohnt in München. Ganz zufällig sind wir auf einem Internetportal für "alte Leute" ins Gespräch gekommen und haben dann über e-mail immer mehr und interessante Erfahrungen ausgetauscht. Ich selbst war dort angemeldet, weil ich ja auch nicht mehr die Jüngste bin und es amüsant finde, nach all den Jahren im Exil öfters ein bisschen in Deutsch zu plaudern. Ich bin 66 Jahre alt, bin vor 40 Jahren aus Deutschland geflüchtet und habe in Frankreich, im Département "Yvelines" in der Nähe von Paris, Asyl gefunden. Der Dritte im Bunde ist mein treuester Begleiter der letzten 10 Jahre, der nie freiwillig von meiner Seite weicht und bei allem dabei sein will – Antonio, die Fellnase mit der Bommel am Hinterteil, 14 Jahre alt und ein ganz sturer Hund.
Im vergangenen September haben wir uns schon kennengelernt und eine einwöchige Bootsfahrt auf dem Rhein-Marne-Kanal in Elsass-Lothringen absolviert, um zu sehen, ob es mit uns klappt. Wir haben eine Abmachung – Rüdiger kümmert sich um alles, was mit dem Boot zu tun hat, und ich kümmere mich um Proviant und Küche, d.h. vor allem, wir müssen einander blind vertrauen. . ...
Unser Film heißt nicht "3 Mann in einem Boot", sondern bekommt den aufschlussreichen Titel "3 alte Knacker in einem Boot".


Das 2. Kapitel
... wo wir unsere schwimmende Hütte "in Besitz nehmen"

Am Samstag holen Antonio und ich Rüdiger mit meinem Auto in Straßburg am Bahnhof ab und fahren Richtung Süd-Westen.  Am Nachmittag kommen wir in Scey s/Saône an, wo wir die Basis des Bootsvermieters "Locaboat" wissen. Scey ist das, worunter man sich ein richtiges Provinzstädtchen vorstellt, verschlafen und fast verlassen, aber mit einem malerischen Ufer, gepflegter Anlegestelle und einem kleinen Wehr, über das die Saône fröhlich plätschernd ihren Weg talabwärts fortsetzt. Der eigentliche Hafen befindet sich am schiffbaren Saône-Arm, etwa 1 km entfernt. Dank Rüdigers phänomenalen Kartengedächtnisses finden wir den Ort sofort. Wir treffen bei Locaboat auf Muriel, die uns unsere schwimmende Bleibe gleich übergibt ( https://youtu.be/Y5vwJaxvHxQ ).

 Die "Penichette (*) Evolution", eine neue Kreation der "Linssen-Werft", wartet auf uns am Anlegeponton, heißt "Deluz", und sauber und glänzend dümpelt sie im Hafenwasser.  Ein kleiner Handwagen wird uns zur Verfügung gestellt, um unser Gepäck und alles andere an Bord zu karren – dabei müssen wir vier Fuhren absolvieren, denn mein kleiner Benz hat immerhin Proviant für drei Wochen geliefert.
Das neue Boot ist nicht ganz 10m lang und ist für 4 Personen gedacht. Ja! – gedacht! Leider klafft ein Abgrund zwischen dem Einfallsreichtum der Architekten und den eigentlichen Notwendigkeiten des täglichen Lebens an Bord.  Die Küchenzeile der Evolution ist zwar geräumig und aus unempfindlichem Edelstahl, aber Geschirr ist gerade mal ausreichend vorhanden, doch es gibt genug Besteck und Küchenutensilien. Mit einem Lächeln stelle ich sogar die mir unverständliche Gegenwart eines Austernmessers fest. . . .  Aber – wohin mit den drei Einkaufstaschen Proviant, den vier Sixpacks stilles und sprudelndes Wasser, der großen Eisbox und dem Korb mit frischem Gemüse? Während Rüdiger die Formalitäten mit Muriel abwickelt, kämpfe ich mit Verzweiflung um etwas Stauraum. Ich entdecke, dass in den geräumigen Kühlschrank fast alles frisches Zeug hineinpasst - unter der Bedingung, dass man der Akrobatik fähig ist, sich weit hinunter zu bücken und sich dabei auch noch so zu verrenken, um dieser Kältekammer auf den Grund sehen zu können. Den Rest des Proviants lasse ich in den Taschen, die ich im kühlen Kielraum versenke – er wird mir als Keller dienen. Dann stellt sich mir die Frage: "Wohin mit meinen kleinen Behältern (Salz, Gewürze usw) für den täglichen Gebrauch?". Leider gibt es keine Regale oder Ablagen über der Küche, es bleibt alles so neben den Kochplatten stehen.. . . .
Dann inspiziere ich Bad und Toilette. Im Bad zwei große Schubladen, viel zu groß für eine kleine Toilettentasche, Platzverlust für die Küchenseite! Aber man kann hier richtig duschen. Im Klo gegenüber wartet Emmi (*) auf mich. Sie sitzt wie erstarrt links neben der Türleiste und schaut mich ob der Störung ihres Seelenfriedens böse an. Ich lege zwei der Papierrollen, die Madame Muriel uns freundlicherweise gespendet hat, oben auf das Regal und klemme die dritte in die Halterung. Es ist extradünnes, leicht auflösbares Papier.... wahrscheinlich beidseitig benutzbar – da liegt der Erfolg glatt auf der Hand. . . . Die Toilette ist elektrisch, wie alles auf dem Boot – nach erledigtem Geschäft drückt man erst auf den linken Knopf und blaues Wasser läuft in die Schüssel, dann auf den rechten und die Mischung verschwindet in Sekundenschnelle -  ein Wunder der Technik !
Zum Schluss verstauen wir Taschen und Koffer in den unteren zwei Wandschränken und unter den Querbänken. Die "Evolution" hat zwei Bereiche, den vorderen Wohn- und Schlafbereich, wo sich auch das innere Steuerruder befindet, und den hinteren Wohn-, Schlaf- und Küchenbereich. Beide sind durch den Block "Bad und Toilette" und zwei Schiebetüren voneinander getrennt.

Dies garantiert doch eine richtige Privatsphäre - auf Grund unserer ganz "freundschaftlichen Beziehungen" haben wir beschlossen, dass Antonio und ich den vorderen Raum mit der Bug-Terrasse in Beschlag nehmen, und Rüdiger es sich hinten gegenüber der Küche und nahe dem Ausgang einrichtet. So muss er zwar jeden Morgen sein Bett zusammenfalten und es am Abend wiederaufbauen, aber Rüdiger ist ein "Morgenfanatiker". Schon morgens vor 6 Uhr treibt ihn ein unwiderstehlicher Drang aus den Federn, um einen ausgedehnten Erkundungsgang zu unternehmen, ein Unterfangen, welches man von mir absolut nicht erwarten kann. So kann er das Boot verlassen, ohne zu stören.
Die Kojenfrage (*) endgültig geklärt, checken wir den Proviant nochmal durch und beschließen, noch kurz den örtlichen Mini-Markt heimzusuchen, um noch die letzten Notwendigkeiten zu erstehen. Wir finden ihn gleich in einer Nebenstraße neben dem Kreisverkehr, dabei fällt uns im Vorbeifahren auch gleich die Bäckerei ins Auge. Der "Carrefour-Market" ist erstaunlich gut sortiert, nach einigen Minuten "durchforsten" finden wir, was wir suchen. Die Kassiererin ist eine niedliche, echte, rötliche Blondine mit einem so süßen Lächeln, dass Rüdiger fast den Überblick über den Visa-Karten-Kasten verliert. . .


Das 3. Kapitel
... wo ich lerne, das "Gefühl" sehr wichtig ist

Den ersten Abend an Bord der "Deluz" verbringen wir also noch im Hafen. Wir sitzen noch einige Zeit auf der Heckterrasse (*), bemerken aber dann eine Invasion von einer Art winzigen Motten, die zu Hunderten durch die offenen Fenster ins Innere eindringen.... Verzweifelt versuche ich, sie mit einem Küchentuch zu verscheuchen, aber sie sind definitiv in der Überzahl und machen sich über meine Wedelkünste nur lustig.
Am nächsten Tag, Samstag, frühstücken wir ausgiebig mit Baguette-Brot und Croissants, die Rüdiger schon zu Fuß aus 3 km Entfernung beim Bäcker besorgt hat. Nachher geht es los, Rüdiger manövriert unsere "Deluz" langsam aus dem Hafen und in den Kanal. Die "Evolution" hat ein ganz neues Konzept – sie besitzt einen Generator, der mit wenig Dieselsprit den Strom erzeugt, den der Elektromotor des Bootes und alle anderen Geräte an Bord zum Funktionieren benötigen. Sie ist also ein "Hybrid". Den Generator selbst hört man außerhalb des Bootes kaum, und wenn es mit geringer Geschwindigkeit fährt, hört man es fast nicht ankommen...
 An das neue Boot müssen wir uns erst gewöhnen – wir bemerken schnell, dass es einen "eigenen Kopf" hat. Es läuft ganz leicht "aus dem Ruder" (*) und es ist am Anfang sehr schwierig, den Kurs zu halten. Zum Glück ist der Fluss ziemlich breit und wir auf ihm fast allein, es bemerkt also kaum jemand die Schlangenlinien, die wir am ersten Tag "üben". Ein Bootsruder ist halt kein Autosteuerrad. Es dauert ein paar Sekunden, bis es reagiert und in dieser Zeit hat man schnell ein paar Drehungen zu viel gemacht.

Gleich nach Scey und seiner Schleuse müssen wir durch den Tunnel von St.Albin ( http://www.scey-sur-saone.fr/index.php?IdPage=1431348207 ).

 Rüdiger rauscht mit der Deluz "volle Pulle" in die 6m55 Breite hinein, und prompt sperrt sich das Boot und kommt ins Schlingern. Während Rüdiger oben auf der Brücke mit dem "Joystick" kämpft, muss er feststellen, dass dieser bei einer Fahrtgeschwindigkeit von über 400 Umdrehungen nicht reagiert. Unten auf der Bugterrasse bekomme ich Angst und Bange, wir schlagen erst links, dann rechts an die Tunnelwand und einer der Fender (*) wird abgerissen. Hinter uns fährt ein anderes Boot, auf dem uns die Insassen uns bestimmt für blutige Anfänger halten.... Sie fischen unseren Fender auf und bringen ihn uns an der Schleuse gleich nach dem Tunnel zurück.... Ich vermute, dass der Tunnel videoüberwacht wird, denn der anwesende Schleusenwärter rät mir mit einem süffisanten Lächeln, wir hätten noch schneller fahren sollen....
Auf freier Strecke darf ich auch öfters steuern. Langsam ertaste ich die Reaktionen des Ruders und lerne, den Widerstand unterm Kiel zu fühlen. Sobald uns ein anderes Boot entgegenkommt, gerate ich in Panik, drehe wie wild von einer Seite nach der Anderen und die "Deluz" gerät ins Schlingern. Ich lerne, das entgegenkommende Boot nicht anzusehen und meine Augen stur nach vorne gerichtet zu lassen. An den sogenannten "Sicherheitsschleusen" (*) bricht bei mir der Angstschweiß aus, sie sind zwar offen, aber ziemlich eng. Die Erste durchquere ich im "Ententempo"....

Die Sonne meint es (zu) gut mit uns, trotz des "Bimini" (*) über dem Kommandostand auf der Brücke (*) handeln wir uns gleich einen Sonnenbrand ein.
 Ein paar Schleusen liegen auf unserem Weg. Sie sind einfach zu bewältigen, da wir ja flussabwärts fahren. Trotzdem heißt es für mich: ungewohnte Bewegungen und Handhabungen.... Die Schleusen am Fluss werden durch ein einfaches Signalsystem betrieben. An einer Art "Galgen" über dem Ufer hängt ein dicker Plastikschlauch, den Rüdiger mit sehr viel Fingerspitzengefühl ansteuern muss, damit ich ihn fassen und drehen kann. Dafür muss ich oben auf der Brücke stehen. Sobald wir dieses Manöver getätigt haben, blinkt das Licht an der Schleuseneinfahrt, um uns anzuzeigen, dass sie unsere Anfrage erhalten hat. Sobald die Schleusenkammer voll mit Wasser ist, öffnet sich das große Tor und wir können langsam hineinfahren.  Je nachdem, wo sich die Poller (*) befinden, renne ich dann entweder in den Bug oder ans Heck (*) und versuche, eine Leine um den Poller zu schlingen, was mir meistens gelingt. Die "Evolution" besitzt Bug- und Heckstrahlruder (*), sehr praktisch zum Manövrieren.
 Sobald das Boot gehalten ist, muss einer von uns die schwere blaue Metallstange anheben, die die "Schleusung"  (La Bassinée) in Gang setzt, in diesem Fall das Bassin leert und dann das untere Schleusentor wieder öffnet. Sobald wir 2m oder mehr "gesunken" sind, klingelt der Alarm und ich muss die Leine aus der Höhe wieder einholen.... Die größte Herausforderung ist, dies zu tun, ohne dass die Leine entweder ins Wasser klatscht oder mir auf den Kopf knallt.


An diesem ersten Abend schippern wir noch einen Flussarm hinauf und legen in Soing s/Saône an, ein Städtchen etwas abseits der Hauptroute.


  Am zweiten Tag erreichen wir ganz gemütlich Ray s/Saône, ein wunderschönes Dorf mit einer ganz romantischen Anlegestelle, einem Schloss auf dem Hügel und einer niedlichen Kirche davor. Am späten Nachmittag besichtigen wir die kleine, einfache Kirche – es ist niemand da, also darf Antonio ebenfalls das historische Gebäude aus dem 13. Jahrhundert besuchen.  Als wir von diesem Spaziergang zurückkommen, macht an der Nachbaranlegestelle ein großes englisches Boot fest. Zwei Hunde springen sofort heraus und rennen über die Wiese, freunden sich mit Antonio an. Wir reden ein bisschen mit den Engländern und erfahren, dass sie mit ihrem Boot über den Ärmelkanal nach Frankreich gekommen sind. Das kleine Schiff ist zwar soweit seetüchtig, musste aber mit einem erfahrenen Lotsen herübergebracht werden. Auf meine Frage, warum sie diese Strapaze auf sich genommen haben, antwortet man mir: "1. gibt es in Frankreich mehr Möglichkeiten und 2. wollten wir vor unseren Kindern und Enkeln Ruhe haben...", ein Argument, das uns alle grinsen ließ.
Am dritten Tag geht es weiter den Fluss hinunter und nochmal durch einen Tunnel, den von Savoyeux.  Diesmal bewältigen wir die 640m Länge mit niedriger Geschwindigkeit und kommen ohne Schaden wieder heraus.
Die Landschaft ist wunderschön und herrlich "wild". Überall in Ufernähe gibt es richtige Seerosenfelder. Der Baumbewuchs ist sehr dicht, die Ufer kaum erreichbar, und wenn, dann hindert uns der 1m Tiefgang der "Evolution" daran, so nah anzulegen, um Antonio Landgang zu ermöglichen... Endlich finden wir eine Stelle, wo wir den Bug der "Deluz" hineinmanövrieren und die Planke auslegen können - schließlich hat Antonio ja keine Ahnung, wie man die hochmoderne elektrische Toilette benutzt. Mir fällt das unablässige Vogelgezwitscher auf – ich höre Meisen, Finken, den Kuckuck und spät abends sogar eine Nachtigall.
 Wir lernen, abends bei Sonnenuntergang sofort alle Fenster und Türen zu schließen, denn die Mücken und "Mottchen" haben ein unwahrscheinlich gutes Gespür, um es sich hinter den Vorhängen gemütlich zu machen. Eigentlich sind es paradoxe Geschöpfe, ich würde wirklich gern wissen, was sich der liebe Gott gedacht hat, als er sie erschuf.... tagsüber verstecken sie sich vor dem Licht und kommen erst bei eintretender Dunkelheit aus ihren Löchern, einzig und allein, um dann auf jede noch so kleine Lichtquelle zuzusteuern und dort wild und ohne Ziel umher zu wuseln.

Am nächsten Tag fahren wir weiter flussabwärts. Wir bemerken viele kleine Wochenendhäuschen mit eigenen Anlegestegen an den romantischen Ufern. Offensichtlich durchqueren wir das Reich der Fischer und Angler, denn fast überall liegt ein kleines Ruder- oder Motorbötchen. Bei dem Dorf Rigny, kurz vor der Schleuse vor Gray, finden wir eine schöne, für unser Boot bequeme Anlegestelle. Dort faulenzen wir wegen der Hitze den Nachmittag und sehen uns in den Abendstunden das Dorf an. Auch hier ist die Kirche abgeschlossen - ich unterhalte mich ein paar Minuten mit einem Ehepaar in einem Vorgarten, man erklärt mir mit Bedauern, dass ein Pfarrer für mehrere Kommunen zuständig und nicht immer anwesend ist. Die Diözese hat Angst vor Vandalismus und Diebstahl, wie es seit einiger Zeit in vielen Orten vorgekommen ist..

   Am nächsten Tag fahren wir an Gray vorbei bis nach Mantoche.  Ein nettes kleines Dorf mit einem richtigen Tante-Emma-Laden, gleich links hoch, hundert Meter vom Hafen entfernt. Dort gibt es frisches Gemüse aus der Gegend und sehr wohlschmeckendes Baguette-Brot. Hier kann man auch die Jetons kaufen, die es ermöglichen, an der Wasserstelle zu tanken. An der Anlegestelle treffen wir auf den "Junggesellen-Club" von vier wunderschönen Erpeln. Sie kommen an die Kaimauer und tun so, als ob sie überhaupt nicht interessiert sind. Sobald wir uns aber zum Abendbrot niederlassen, watscheln sie näher.... und empfangen mit dankbarem "rätschen" ein paar Stückchen Brot. Ich erinnere mich, dass Enten in China als Glücksbringer angesehen werden und freue mich an ihrer Freude über die Brotkrümel.
Das 4. Kapitel
... wo wir Gäste bekommen

 Am Freitagmorgen verlassen wir Mantoche und fahren in Richtung Gray zurück. Vor Gray finden wir eine schöne Anlegestelle, endlich einmal an einem Südufer und dank der hohen Bäume im Schatten, wo wir zu Mittag essen. Dort profitiere ich endlich von dem wunderschönen Fahrradweg, den es hier am Fluss entlang gibt. Ich lasse die zwei Männer alleine und radele auf dem Weg bis ans gegenüberliegende Ufer von Mantoche zurück. Mir fällt erneut die Vielfalt der Natur auf, der Wald ist dicht bevölkert, die Berieselung durch vielfältiges Zwitschern, Singen und Trällern ist erstaunlich. In der Nähe unserer Städte gibt es diesen "Lärm" gar nicht mehr. . .
Am Abend verlassen wir diesen geräuschvollen Ort und schleusen uns durch bis zurück nach Gray. Der kleine Freizeit-Park "La Plage" bietet eine praktische Anlegestelle, hier gibt es wieder Wasser und auch einen Landstrom-Anschluss. Später am Abend klopft ein freundlicher älterer Herr mit einem Quittungsblock ans Boot und kassiert 5 € für Strom und Wasser. Gegenüber des Freizeitgeländes gibt es eine freie Wiese für Antonio und 500m weiter einen Lidl-Supermarkt für unsre Einkäufe.
 Am nächsten Morgen stoßen meine "Kinder" (meine Tochter Nasta und ihr Lebensgefährte Nico) aus Straßburg zu uns, um das Wochenende mit uns zu verbringen. Sie bringen ihren jungen Hund mit, Larry, einen Irischen Setter. Das Boot mit laufendem Motor flößt ihm Angst ein. Sein Herrchen faltet ihm die langen Pony-Beine zusammen und trägt ihn zu Antonio hinein. Bald nimmt er sich an unserem "alten Hasen" ein Beispiel und legt sich zu ihm. Dann rauschen wir los, denn wir möchten an diesem Tag noch Lamarche erreichen. In der Schleuse von Gray darf Nico gleich Hand anlegen. Dann braust Rüdiger mit vollen Umdrehungen den Fluss hinunter, solange wir meinen Heringssalat zu Mittag auf der Heckterrasse verspeisen, dann wechseln wir uns ab – ich darf ans Ruder, solange sich Rüdiger seinen Teil des Mittagessens einverleibt. Mittlerweile habe ich schon genug geübt und es gelingt mir immer besser, die "Deluz" auf Kurs zu halten. Es ist Pfingstwochenende und es begegnen uns viele Boote hauptsächlich mit deutscher Gast-Flagge, aber auch viele Niederländer und Schweizer. Das übliche Handzeichen zum Gruß, (ähnlich wie beim Reitervolk, an das ich eher gewöhnt bin), scheint den Eidgenossen fremd zu sein.... kaum jemand grüßt von einem Boot mit Schweizer Flagge. Oder liegt es an unserer, natürlich Österreicher, Gast-Flagge ? Haben die was gegen Österreich ?


 Am Nachmittag erreichen wir den Ort Lamarche und können direkt am Restaurant "Le Nymphéa" anlegen, dort habe ich einen Tisch für's Abendessen reserviert. Die Restaurantterrasse, wo wir essen, bietet uns einen neuen Blick von oben auf unser Boot. Das Restaurant hat nur eine kleine Menu-Karte und unsere Auswahl finden wir sehr schmackhaft, das Personal ist sehr freundlich und zuvorkommend. Es gehört zum ***Hotel Saint-Antoine, das sich ungefähr 500m landeinwärts befindet. Hier ist für die jungen Leute mit Hund ein Zimmer reserviert. Larry fühlt sich dort gleich zu Hause, und übergibt sich am Morgen ungeniert auf die Bettdecke ...
Wir frühstücken ausgiebig auf dem Boot und starten dann wieder in Richtung Gray. Mein Schwiegersohn darf sich an den Schleusen wieder körperlich betätigen und erweist sich als erstaunlich begabt im Kurshalten, als Rüdiger ihn ein bisschen steuern lässt. Rüdiger macht eine ihm ganz neue Beobachtung: Wie Franzosen mit Baguette-Brot zu Mittag essen.... obwohl wir eigentlich keinen "richtigen" Franzosen an Bord haben. Rüdiger schaut Nico fasziniert zu, wie er seinen Teller mit Brot sauber auswischt – und beschließt, es ihm von jetzt ab immer gleichzutun....

 Am späten Nachmittag laden wir unsere jungen Gäste in Gray in der Nähe ihres Wagens wieder ab. Wir bleiben wieder an diesem Ort, wo ich einen "stimmungsvollen Abend" erlebe.


Unsere Anlege-Nachbarn sind ein Schweizer Ehepaar - aus Luzern, wie sich später herausstellt. Auch sie haben einen Hund dabei. Entgegen Rüdigers Erwartung erweisen sich diese Leute als sehr sympathisch – der Mann lässt sich von Rüdiger einen Knoten erklären und bedankt sich am nächsten Morgen mit zwei frischen Croissants zum Frühstück für seine Geduld....  Wir unterhalten uns noch eine Weile, wobei "Rüdigers Schweiz" einen Pluspunkt bekommt, dann legen wir ab, und es geht weiter flussaufwärts. Das Wetter spielt leider nicht mehr ganz so richtig mit, der Himmel bedeckt sich langsam mit grauen Wolken. Am Nachmittag schaffen wir es durch einige Schleusen bis zurück nach Ray s/Saône, als der Himmel die Seinen öffnet.....


Das 5. Kapitel
... wo wir begossene Pudel spielen

Am Abend in Ray s/Saône klärt sich das Wetter wieder etwas auf und wir beschließen, mit Antonio einen längeren Spaziergang zu machen, von dem wir mit total durchnässten Schuhen wieder zurückkommen. Als Antonio um 23 Uhr noch zum letzten Mal nach draußen muss, ist mir die Fußbekleidung ausgegangen. Also wähle ich die Option "Kneippkur" – in Shorts wage ich mich barfuß aus dem Boot. Nach dem ersten kleinen Kälteschock schreite ich beherzt in Storchenmanier über die Wiese, in der Hoffnung, keinen Nacktschnecken zu begegnen....
 Am nächsten Morgen steht das Dorf Ray unter der Dusche. Es schüttet wie aus Kannen, die Tropfen blattern auf die Wasseroberfläche, wo sie tausend Blasen bilden. Jedes Mal, wenn sich der Regen etwas beruhigt, setze ich meine Kneippkur fort und muss Antonio überreden, mit mir in die Nässe hinaus zu gehen, um sein "Geschäft" zu erledigen. Er liegt die meiste Zeit auf seinem Kissen und tut sich schwer aufzustehen – am Abend muss ich ihm sogar helfen, hochzukommen. Den Rest des Tages verbringe ich unter Deck mit Lesen oder "Handy-Zocken", während Rüdiger Eintragungen in sein Logbuch vornimmt. Dabei stellen wir fest, dass in der "Evolution" ein Belüftungssystem fehlt. Kondenswasser sammelt sich nicht nur an den einfachen Fensterscheiben, sondern auch unter der Deckenluke der Eingangstür. Trotz des Regens sind wir gezwungen, die Türen einen Spalt weit offen zu behalten. Es regnet die ganze Nacht weiter, und am Morgen bemerken wir, dass der Wasserspiegel um ungefähr 20 cm gestiegen ist.

Das Wetter scheint zu halten, es ist bewölkt und ziemlich kühl geworden, aber wir beschließen, weiterzufahren. Mittags lockert sich der Himmel etwas auf. An der vorletzten Schleuse vor dem Tunnel gibt es regionale Produkte zu kaufen – hier erstehe ich für 7€ einen Becher Blütenhonig vom Imker "um die Ecke", der sehr wohlschmeckend ist. Ich diskutiere mit dem Schleusenwärter, er spricht im Tonfall dieser Gegend, ein Akzent, den ich noch nicht kannte – eine ziemlich rauhbeinige Ausdrucksweise, wobei die "r" stark gerollt werden, der Tonfall aber trotzdem leicht "singend" bleibt. Dies trägt sehr zu meiner (heimlichen!) Erheiterung bei, aber ich lasse mir natürlich nichts anmerken.
Am frühen Nachmittag kehren wir nach Scey s/Saône zu Muriel und der Locaboat-Equipe zurück. Wir erzählen unser Missgeschick mit dem Fender im Tunnel und bekommen einen neuen, tanken wieder Wasser und hängen uns an den Landstrom.
Dem "Bordhund" geht es schlecht, er will nicht aufstehen und ich muss ihn vorsichtig in die Höhe bringen. Er ringt sich zu einem Landgang durch, aber ich muss ihm die Stufen an der Kaimauer hochhelfen, er schafft es nicht und hat ganz offensichtlich Schmerzen. Wir hieven ihn hinten in den Benz, wo er sich sofort wieder hinlegt, und fahren nach Scey hinein, um noch einige kleinere Einkäufe zu tätigen.
Und wen sehen wir dort, als wir aus dem Carrefour-Market heraus kommen ? Den Hund habe ich schon einmal in Gray gesehen....  ja, seine Leute sind unsere freundlichen Luzerner! Wir schwatzen uns wieder ein halbes Stündchen fest, wobei "Rüdigers Schweiz" erneut einen Pluspunkt gewinnt. Dann trennen sich unsre Wege für immer.
Am Abend geht es Antonio nicht besser, deshalb fragen wir Muriel nach einem Tierarzt.

Das 6. Kapitel
... wo uns Antonio sein Malheur erzählt

Ja, endlich komme ich hier auch mal zu Wort! Wie mein liebstes Zweibein, das mich vor 10 Jahren aus der Tierhilfe befreit hat, schon erwähnt hat, musste mir abends geholfen werden, aufzustehen. Ich hatte schlimme Schmerzen in meinem Hinterteil, und es dauerte eine Weile, bis die beiden Zweibeiner kapiert hatten, wie elend es mir ging. Auf der Fahrt zurück nach Scey blieb ich lieber auf meinem Kissen liegen, es war sowieso ziemlich mieses Wetter. Am nächsten Morgen lachte wieder die Sonne, aber mir ging es noch schlechter. Mein Frauchen sagte zu mir: "Keine Sorge, wir fahren Dich zu der Dame, die Hunde repariert!" Mein großes Badetuch wurde zur Hängematte umfunktioniert und ich damit in den Kofferraum des kleinen Rollomobils mit dem Stern gehievt. Es brachte uns in 20 Minuten in ein Gebäude, wo es verdächtig nach "Doktor" roch... Aber ich musste wegen der starken Schmerzen ganz ruhig liegen bleiben. Die Frau, die mich reparieren sollte, erzählte etwas von "Arthrosekrise", "Morphium" und "Infusion".... Ich bekam eine Nadel in mein Vorderbein, die Schmerzen wurden weniger und dann schlief ich ein. Als ich einigermaßen wieder aufgetaucht war, lag ich wieder in meiner Hängematte und war auf dem Weg zum Boot. Mindestens zehn Zweibeiner standen um mich herum und schauten mitleidsvoll auf meinen geschundenen Hundekörper herunter. Ich hörte, wie mein Frauchen erklärte, dass ich einen "Cocktail" mit Morphium bekommen hätte und dass ich deshalb keine Schmerzen mehr hätte. Aha. Ich war also ein richtiger "Junkie" geworden...  Aber es war mir egal, und auf dem Boot schlief ich gleich wieder ein. In der Nacht musste ich doch noch mal raus, mein Lieblings-Zweibein hob mich die kleine Kaimauer hoch und ich konnte gerade noch zum Beinheben den nächsten Busch erreichen – ohne Schmerzen! Ein Wunder!

 Der nächste Morgen fängt für mich schon um 5 Uhr an.... ich muss unbedingt schon wieder raus. Meine Leute sind nicht sehr begeistert, aber vor lauter Freude, dass es mir besser geht, schieben sie mir beim Frühstück Butterbrot und Mandelhörnchen zu.
So lässt es sich leben !



Das 7. Kapitel
... wo wir einiges "Märchenhaftes" erleben

An diesem Freitag sind wir froh, dass der "Bordhund" endlich wieder seine Topform zurückgewonnen hat. Ich habe keine Ahnung, was alles in dem Cocktail enthalten war, den ihm die Tierärztin verabreicht hat, vielleicht war sogar etwas "coke" dabei – auf jeden Fall springt Antonio wieder unbeschwert herum. Während der Fahrt klettert er sogar die steile Treppe zur Brücke hinauf.
 Rüdiger sitzt oben und realisiert "volle Kraft voraus", denn immerhin haben wir durch den Regentag und den Krankentransport zwei Tage verbummelt. Wir fahren weiter Saône aufwärts, durch einige "leichte" Schleusen bis nach Fouchécourt. Der kleine Hafen fasst kaum ein Dutzend Boote und gefällt Rüdiger nicht, also beschließen wir, weiterzufahren. Obwohl unser Boot kaum Wellen wirft, bemerken wir Rumpelstilzchen am anderen Hafenufer, das wild umherspringt, gestikuliert und schreit. Ein paar Meter weiter befindet sich zu unsrer Linken eine Anlegestelle, die wir anlaufen, um festzustellen, was der kleine Herr uns wohl sagen wollte. Äußerst ungehalten hält uns Rumpelstilzchen vor, dass wir, trotz Verbots, im Vorbeifahren kriminell hohe Wellen verursacht haben und dass diese Anlegestelle nur für ordentliche Gäste des Restaurants zur Verfügung stehe. Gottseidank versteht Rüdiger die unleidlichen Bemerkungen nicht. "Lächeln ist die beste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen", denke ich, grinse Rumpelstilzchen so breit wie möglich an und antworte im feinsten Französisch, zu dem ich fähig bin, dass wir dankend weiterfahren, weil wir ja schon zu Mittag gegessen haben. Rumpelstilzchen verschlägt es für einen Moment die Sprache. Wir fahren weiter, finden aber weiter flussaufwärts keine geeignete Anlegestelle mehr. Also drehen wir die "Deluz" auf der Stelle herum und tuckern, diesmal im Schneckentempo, wieder am "Rumpelstilzchen-Dorf" vorbei und halten ganz in der Nähe bei Baulay, wo es eine gut gepflegte Anlegestelle mit gemähter Wiese und Picknicktischen gibt. Am späten Nachmittag spazieren wir durch Baulay... wieder ein halbwegs aufgegebenes, eingeschlafenes Dorf mit verschlossener Kirche und verlassener Crêperie.




Das 8. Kapitel
... wo ich Lassowerfen lerne

 Am nächsten Tag möchten wir Corre und den Anfang des Vogesenkanals erreichen. Dazu müssen wir noch einige niedrigen Brücken durchfahren und vier Schleusen bewältigen, die über 3m hoch sind. Mittlerweile hat Rüdiger den Bogen raus, in jede Schleuse kommen wir unbeschadet hinein. Aber dann muss das Boot mit beiden Leinen in der Schleuse an den Pollern festgemacht werden, denn beim "aufwärtsschleusen" strömt das Wasser mit großer Kraft in die Schleusenkammer und würde das Boot zurückwerfen. Bis jetzt hat Rüdiger immer die vordere Leine befestigt, aber in diesen großen Schleusen kann er nicht gleichzeitig das Boot halten, denn es driftet immer wieder weg von der Schleusenwand. Ich möchte ihm die Arbeit erleichtern und trainiere von der Brücke aus Leinenwerfen. . . Doch die Leine ist eine Schlange.... sie windet sich überall umher, nur nicht um den Poller. Nach ein paar hundert Versuchen und gefühlten fünfzig Schleusen habe ich es endlich "geschnallt" – meine Leine fliegt von jetzt an fast bei jedem Versuch gleich um den Poller und ich bekomme großes Lob von meinem Kapitän. Ich kann "einwärts" werfen, und "auswärts", am besten mit der rechten Hand und bin stolz auf mich.
So kommen wir durch die Schleusen und weiter die Saône aufwärts, bis an die letzte Schleuse, die bei Ormoy.



Das 9. Kapitel
... wo wir den entfesselten Elementen fast ausgeliefert sind

Die Schleuse bei Ormoy ist die letzte Saône-Schleuse überhaupt. Sie ist 3m50 hoch und in der Schleusenwand befinden sich die zwei Poller in Nischen in der Wand, die dadurch leichter von unten her zu erreichen sind. Rüdiger gelingt es, den vorderen Poller mit der Leine zu erwischen - um mit der Leine den Hinteren zu erreichen, brauche ich etwas Zeit. Das Boot muss ein paar Mal hin und zurück manövriert werden, bis wir beide Leinen befestigt haben. Unsre durch unser hohes Alter nicht mehr so starken Ärmchen tun sich schwer, die blaue "Bassinée"-Stange zu erreichen. Weil wir "von unten" kommen, ist die Stange grün voller Algen und glitschig wie ein Frosch. Endlich schaffe ich es von der Bugterrasse aus, das Ding mit dem Putzlappen in der Hand zu fassen und anzuheben, dann klettere ich wieder auf die Brücke und übernehme wieder die Heckleine. Als das Wasser mit ziemlich großer Wucht in die Schleusenkammer strömt, reißt es die "Deluz" nach links und Rüdiger fast die Bugleine aus den Händen. Geistesgegenwärtig komme ich ihm schnell zur Hilfe, erwische in letztem Moment die Leine und mit vereinten Kräften können wir gerade noch verhindern, dass unser schwimmendes Zuhause an die gegenüberliegende Kammerwand klatscht. Rüdiger erzählt mir, dass er irgendwo in einem Blog gelesen hatte, ein anderer Skipper hatte diese Schleuse die "Kammer des Schreckens" genannt – wir finden die Bezeichnung voll angebracht und sind froh, dass wir sie "geschafft" haben.

Das 10. Kapitel
... wo's modern wird

Die "Kammer des Schreckens" hinter uns, fahren wir langsam weiter bis ans Ende der schiffbaren Saône – hier beginnt der ehemalige "Canal de l'Est", der heute der "Vogesenkanal" (Canal des Vosges) heißt. Eine große Schleuse markiert seinen Anfang, die etwas besonderes ist: Ab hier wird so ziemlich alles voll automatisch. Zwar muss man sich bei Ankunft noch mit der bekannten "Galgenstange" anmelden, aber sobald das Boot hochgeschleust ist, muss ich aussteigen und aus einem Automaten ein kleines Kartonkästchen ziehen. Es enthält eine Fernbedienung für die folgenden Schleusen des Kanals. Erst als ich das Kästchen aus dem Automaten genommen habe, öffnet sich das obere Schleusentor und wir können herausfahren.
 Gerade als ich zum Herausfahren wieder von der Brücke herunterklettere, um die Heckleine wieder einzuholen, rutsche ich auf der letzten Treppenstufe nur ein bisschen herunter. Ich kann mich zwar sofort an der Reling (*) auffangen, aber prompt spielt die Arthrose in meinem linken Knie nicht mit – ein höllischer Schmerz schießt durch mein ganzes Bein und ich kann mir einen Aufschrei nicht verbeißen. Rüdiger ist erschrocken, aber ich kann ihn beruhigen. Ich kenne meine Knie, die machen öfters solche Witze mit mir, damit ich nicht vergesse, wie alt ich bin.
Nach 200m machen wir im winzigen Hafen von Corre an einem der Pontons fest. Eigentlich wollten wir hier nicht bleiben, aber der Nachmittag bringt wieder einen heftigen Wolkenbruch, der mir einen guten Grund liefert, im Boot zu bleiben und mein Knie zu schonen, während Rüdiger schnell noch eine Runde mit Antonio läuft. Also hängen wir die "Deluz" wieder an den Landstrom und tanken Wasser, abends kassiert eine nette Dame 12€ für diesen Luxus.
  Am nächsten Morgen um 6 Uhr hat Rüdiger schon wieder das Städtchen ausgespäht und kommt mit frischem Brot und Croissants zurück. Bei klarem Himmel und heller Sonne frühstücken wir auf unserer Heckterrasse. Bald legen wir ab und steuern die "Deluz" kanalaufwärts, durch wunderschöne, hügelige Landschaften, grüne Wälder und unablässiges Vogelgezwitscher. Die Schleusen sind jetzt vollautomatisch, mit der Fernbedienung piepsen wir ein Relay am Ufer an, welches den Impuls an die Schleuse weitergibt. Meistens ist das Schleusentor schon offen, wenn wir ankommen. Die Schleusen sind nicht mehr sehr hoch, und trotz meines gehandicapten Knies perfektioniere ich mit viel Spaß meine Lassowerferkunst. An den Rändern der meisten Schleusenkammern sieht man starke Abnutzungserscheinungen. Bei manchen Schleusenkammern wurde der Rand mit stählernen Abrundungen ausgebessert, aber bei den meisten sind die Kantensteine rund geschliffen oder zeigen richtige "Seilrinnen" von tausend Leinen, die dort Jahr für Jahr entlanggeglitten sind. Der Unterschied zu den Schleusen im Fluss zeigt sich in den Schleusenkammern – im Kanal sind sie fast alle mit vielen verschiedenen Pflanzen bewachsen.

 Nach vier Schleusen kommen wir zu dem Dorf Selles. Am Anfang des Dorfes gleich am Kanal steht links ein schönes Haus, sorgfältig renoviert. Der Hausherr sitzt neben seiner Terrasse und winkt. Ich deute auf das Haus, lege dann meine Hand auf mein Herz und zeige ihm den linken "Daumen nach oben", er antwortet ebenfalls mit "Hand aufs Herz" und einer kleinen Verbeugung, dann lachen wir beide und ich freue mich, denn offensichtlich habe ich ihm eine Freude bereitet.
In Selles muss das Boot durch eine Engstelle mit einer Drehbrücke, die von Hand bedient wird. Scheinbar haben die Boote Vorrecht, denn der Brückenwart öffnet sie uns sofort und Autos müssen warten, bis die "Deluz" vorbeigezogen ist. Und weiter geht es für uns an noch zwei verlassenen Schleusenwärterhäuschen vorbei. Von der Technik der Automatikschleusen ist Rüdiger sehr beeindruckt, denn alles funktioniert wie am Schnürchen, meine Lassowerferei eingeschlossen und ich kann mich vor Lobeshymnen kaum noch retten.


Das 11. Kapitel
... wo soziale Beziehungen gepflegt werden

 An der Schleuse "Pont de Bois" finden wir eine schöne Anlegestelle, wo wir den Nachmittag bleiben. Hier kann man sogar gratis Wasser tanken. Eine Straße geht zwar ganz nah vorbei, ist aber sehr wenig befahren. Wir laden das Fahrrad aus und ich mache mich damit auf den Weg kanalaufwärts auf dem ehemaligen Treidelpfad, der in einen wunderschönen asphaltierten Radweg umgestaltet wurde. Kilometerweit folgt er dem Kanal und wird scheinbar sehr gern befahren. Ich radele gemütlich bis zur nächsten Schleuse, entdecke dabei ein altes, etwas vernachlässigtes Herrenhaus auf der anderen Kanalseite, ein Besitztum ganz von einem kunstvollen schmiedeeisernen Zaum umgeben. Auf dem Rückweg halte ich bei einem Angler an und plaudere ein paar Minuten, wobei er mir erzählt, dass das alte Herrenhaus vor ein paar Jahren von Holländern oder Deutschen gekauft worden war, die aber nur zwei Monate im Sommer dort wohnten. Viele Häuser und Anwesen in der Gegend wurden von Holländern aufgekauft und werden so noch gut instandgehalten. Aber leider kann man so die Dörfer nicht am Leben erhalten. Wir sind uns noch eine Weile einig, dass seit Jahrzehnten keine Regierung mehr etwas für die ländlichen Regionen tut und schimpfen, weil Paris alle Vorteile bekommt, dann lasse ich den Angler guter Laune zurück und fahre zurück zu unserem Hausboot.

 Dort steht Rüdiger an der Schleuse und bewundert einen Mann auf einem Segelboot, wie er die Schleuse ganz allein bewältigt. Als er endlich herausfährt, helfen wir ihm, neben unserem Boot festzumachen. An der Gastflagge erkennen wir, dass er aus Dänemark kommt, aber leider spricht der gute Mensch nur mäßiges Deutsch, nicht genug Englisch und nur drei Worte Französisch. Am Abend laden wir ihn doch zu einem Glas Cidre auf unsere "Evolution" ein. Ich zeige ihm das Innere des Bootes und mache ihn mit meiner tollen Küche und dem automatischen Klo richtig neidisch. Wir "kauderwelschen" noch eine Stunde, und wir erfahren, dass er seine Nichte in Südspanien besucht hat und jetzt wieder durch Frankreich nach Dänemark zurückschippert. Er zeigt mir seine elektronischen Routenkarten auf seinem Tablet und wir tauschen aus, wo jeder von uns herkommt und wo wir wohnen. Als der Mond drüben über dem Wald steht, verabschieden wir uns.





Das 12. Kapitel
... wo wir auf einsamer Flur überleben

 Als wir am nächsten Morgen die "Deluz" wieder in Bewegung setzen, scheint unser dänischer Bekannter noch zu schlafen. Wir fahren weiter den Canal des Vosges hinauf, dort, wo ich am Vortag schon mit dem Fahrrad war. Die Vegetation wir immer dichter und nähert sich immer mehr dem Wasser. Die Kanalführung ist ziemlich kurvig – und ich liebe es, auf dieser Strecke am Ruder zu sein. Mit Kurven habe ich Erfahrung und bekomme sie tadellos hin ! Wir kommen an einem dunklen Fichtenwald vorbei, arbeiten uns durch noch vier Schleusen und erreichen Fontenoy-le-Chateau.

 Der kleine Ort liegt zwischen felsigen Hügeln und um die Anlegestelle zu erreichen, müssen wir durch einen engen, in den Felsen geschnittenen Kanal gleich hinter der Schleuse. Ein kleines Ausflugsboot mit lauter lärmenden Kindern kommt uns entgegen, scheinbar zwei Schulklassen, eine Gruppe hat grüne, die andere rosa Schirmmützen auf. Gleich hinter dem Felsenkanal legen wir rechts unter großen Bäumen an, uralte Platanen, die in der Hitze angenehmen Schatten spenden. Die alte Kaimauer ist mit üppigem Bewuchs versehen, hier wachsen Farne und sogar Walderdbeeren. Die paar Brennnesseln schneide ich für das Foto weg....
Am Abend geht es meinem Knie schon wieder viel besser und wir machen eine kleine Spazierrunde. Rüdiger war natürlich schon im Städtchen, rät mir aber davon ab, denn die Straßen sind ziemlich steil und meinem Knie noch nicht wieder zuzumuten.
Am nächsten Tag, Dienstag, machen wir uns auf den Rückweg.


 Um die Mittagszeit finden wir in der Nähe von Basse-Vaivre die einsame aber gut gepflegte Anlegestelle, die Rüdiger schon beim Hochfahren aufgefallen ist. Hier gibt es Platz für mindestens 5 Boote, aber wir sind zunächst allein und beschließen, hier zu verbleiben. Am Ufer entlang stehen neu gepflanzte Bäumchen, die Wiese ist frisch gemäht und es gibt sogar einen durch hohe Büsche geschützten Picknicktisch. Hinter der Wiese bemerken wir ein wildbewachsenes Grundstück, dessen Zaun man durch das viele Grün kaum bemerkt.  Es scheint dort einen Teich zu geben, denn das Quaken von unerschrockenen Fröschen ist nicht zu überhören.
Am Nachmittag kommt ein zweites großes Boot mit Schweizer Flagge. Die Familie drauf grüßt nicht und legt etwas weiter weg an. Dadurch ergattert "Rüdigers Schweiz" wieder einen Minuspunkt... Entgegen Rüdigers mieser Meinung muss ich den Schweizern trotzdem richtiges Draufgängertum anerkennen – die kleine Familie kleidet sich in Badesachen und schwimmt und planscht eine Weile lang im Kanal! Soviel Todesmut hätte ich jetzt von Einwohnern des saubersten Ländchens unseres Kontinents nicht erwartet. Nach dem Mittagessen packen sie zusammen und verschwinden, wieder ohne zu grüßen.


 Wir bleiben mit der "Deluz" liegen und verbringen hier die Nacht. Der Himmel ist klar und es ist ausgerechnet Vollmond. Sein bleiches Licht fließt über den Kanal und die Wiese, wo ich huschende Schatten erahnen kann. Das Froschkonzert aus dem Biotop hinter dem Zaun ist noch lauter und intensiver geworden, die Quakerei scheint unerträglich – und trotzdem schlafe ich wieder ein.
Am nächsten Morgen werde ich erst spät wach – 8 Uhr ! Die Frösche quaken immer noch mit Inbrunst. Rüdiger ist nicht zu sehen, er erkundet wohl wieder die Gegend. Ich werfe den Generator an, backe das Brot aus der Reserve nochmal auf, decke in der herrlichen Morgensonne den Tisch auf der Heckterrasse – und schon ist Rüdiger zum gemeinsamen Frühstück wieder da. Wir genießen dieses Mahl auf einsamer Flur.


Das 13. Kapitel
... wo wir irren und dann heimfinden

Es ist Mittwoch und langsam machen wir uns auf den Heimweg. Wir kommen wieder an Corre vorbei, wo wir an der letzten Schleuse zur Saône die Fernbedienung mit Kästchen wieder in den Automaten werfen müssen - ohne Rückgabe funktioniert die Schleuse nicht. Hinter uns fährt noch ein dickes Privatschiff aus Belgien in die Schleuse, auf jeder Seite hält es gerade mal so 30cm Abstand von den Schleusenkammerwänden. Die ältere Dame, die mit kräftigen Armen und entschlossener Miene die Bugleine hält, schenkt mir ein Grinsen, vielleicht, weil ich mir meiner Leine am Heck unseres "leichten" Bötchens kaum was zu tun habe. Ich grüße sie und wir wechseln ein paar Worte in Französisch, daraufhin winkt sie uns freundlich nach, als wir aus der Schleuse fahren. Rüdiger möchte den "dicken Pott" nicht auf den Fersen haben und rauscht mit voller Kraft voraus. Bald verliere ich die Belgier aus den Augen, und als wir diesmal an die Schleuse von Ormoy kommen, sind wir allein. Bei der Abwärtsfahrt verliert die Schleusenkammer ihren gesamten Schrecken, wir fahren ohne weitere Probleme wieder heraus. Als wir zu Mittag an der Anlegestelle von Cendrecourt einen Halt einlegen, ziehen die Belgier mit ihrem lauten Dieselkahn an uns vorbei, nicht ohne nochmals zu winken.
Am Nachmittag machen wir nochmals auf den Weg, denn die Wiese vor der Anlegestelle muss ausgerechnet jetzt wieder gemäht und dann noch mit einer elektrischen Sense nachbehandelt werden. Unseren Ohren, die sich seit einigen Tagen nur noch mit Vogelzwitschern und Froschquaken auseinandersetzen mussten, ist diese Geräuschkulisse unerträglich.
Wir fahren weiter Saône abwärts und versuchen, irgendwo eine Stelle zu finden, wo wir nah genug ans Ufer herankämen, um die Planke auszulegen. Leider ist das nirgendwo möglich. Irgendwann kommen wir auch wieder bei Rumpelstilzchen an Fouchécourt vorbei, aber leider hupft es diesmal nicht am Ufer herum, wir sind richtig enttäuscht. Kurz danach kommen wir an Baulay vorbei, wo es uns auf der Hinfahrt so gut gefallen hatte, aber die Anlegestelle ist schon mit zwei Booten besetzt.

 Nach einigem Suchen finden wir bei Conflandey, fast unter der Brücke, eine alte, ziemlich verrottete Anlegestelle, aber sie ist stabil genug, dass ich es wage, aus dem Boot zu klettern. Also machen wir fest, sichern das Boot noch an Land mit einer Leine und bleiben dort für die Nacht. Am Abend wird der Himmel schwarz und ein eindrucksvolles Gewitter dröhnt auf uns nieder. Obwohl wir durch die große Brücke über den Fluss ziemlich geschützt liegen, windet sich das Boot im Sturm und zerrt an den knarzenden Leinen, aber der Steg hält stand.
Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder friedlich-freundlich, sodass wir beruhigt weiterfahren. Erneut erhebt sich für uns das Problem, am Fluss keine geeignete Stelle zum Anlegen zu finden. Rüdiger amüsiert sich wieder mit dem Joystick an Bord und dreht die "Deluz" einfach "auf dem Teller" wieder herum, dann fahren wir wieder ein Stück flussaufwärts bis Baulay, aber die beiden Boote vom Vortag sind immer noch da. Wir beschließen, noch ein Stück bis zur nächsten Schleuse zu fahren. Dort sind Poller für Lastkähne, wo wir uns eine Zeit lang zum Warten anhängen. In der Nähe wird wieder die Wiese gemäht... und natürlich kommt der Mann mit der Motorsense genau wieder bis an unser Boot, um seine geräuschvolle Arbeit zu verrichten! Ich frage ihn, ob er das mit Absicht tut und es ergibt sich ein nettes Gespräch wobei auch wieder gelacht wird.
Nach einiger Zeit kommen einzelne Boote den Fluss herauf und darunter erkenne ich eines von denen, die ich an der Anlegestelle von Baulay gesehen hatte. Schnell machen wir die Leinen los und rauschen wieder zurück in Richtung Baulay, diesmal ohne Rücksicht auf Rumpelstilzchens Mini-Hafen. Ich hatte richtig gesehen... an dem Anlegeplatz war nur noch ein Schweizer Boot. Wir steuern auf den Steg zu und sogleich springen zwei dynamische alte Herren aus dem andern Boot, die uns geschäftig beim Anlegen helfen. Die Knoten, die sie in die Bugleine machen, sind nicht sehr professionell, aber wir tun so, als ob wir für ihre Hilfe sehr dankbar sind. Schließlich sind Schweizer, die freundlich grüßen und dann auch noch helfen, eine reine Rarität! Diese Eidgenossen kommen aus der Gegend von Neuchâtel, zwei Ehepaare so um die 80, die sich auf ihrem Bootstrip scheinbar köstlich amüsieren, denn es wird viel erzählt und gelacht. Die Rubrik "Rüdigers Schweiz" erhält also wieder einen Pluspunkt. Leider verlassen uns diese netten Leute gleich wieder.
 Nach dem Mittagessen schwinge ich mich wieder auf den Drahtesel, durchquere das Dorf Baulay und radele eine Weile durch Felder mit glücklichen Kühen. Eine ganze Herde Jungbullen folgt mir eine Weile hinter dem Weidezaun, sie galoppieren wieder weg, kommen spielend und sich gegenseitig anstoßend zurück, bleiben stehen und sehen mich prüfend an. Ich gucke zurück und erzähle ihnen, dass sie ja keine Ahnung haben, wir gut sie hier aufgehoben sind, im Gegensatz zu vielen ihrer Artgenossen, die ihr Dasein in einem engen, verdreckten Stall fristen. Einer davon nickt mir zu....
Ich radele zurück durch das Dorf, wo ich eine Tafel entdecke, die mich informiert, dass während des 2.Weltkrieges die französische "Resistance" in diesem Département (Haute Saône) besonders aktiv gewesen ist, und gerade in Baulay immer wieder Attentate auf deutsche Züge geplant wurden, weil die Gleise hier durch einen tiefen Graben führten, "la tranchée de Baulay". Ich radele den Weg zurück an den Fluss zu unserem Boot.
Am späten Nachmittag bekommen wir wieder Gesellschaft von einem jungen Ehepaar aus Berlin mit Tochter und Schwiegervater. Ein junger Hund ist dabei, der unseren Antonio gleich in sein Herz schließt.
Bug an Bug verbringen unsere Boote die Nacht, am nächsten Morgen gibt es bei uns wieder aufgebackenes Brot aus dem Eisfach und bei den Nachbarn Muesli... Sie fahren noch ein Stück flussaufwärts und wir wenden uns in die Gegenrichtung, da wir noch kurz in Port s/Saone halten wollen um uns bei "Nichols" eine Doku über ihre Boote zu holen. Leider ist der Typ dort in der Hafenmeisterei ein ungewöhnlich eindrucksvolles Beispiel an Unfreundlichkeit. Wir krallen uns seinen Prospekt und verlassen den unwirtlichen Ort.
Aber der Fluss lässt mich nicht so einfach davonkommen... Ich darf noch ein bisschen fahren bis wir kurz vor Scey noch einmal durch eine Engstelle müssen, die den Eingang zum Kanal, der zum Hafen führt, markiert. Mein Enthusiasmus erweist sich als kein guter Ratgeber, ich steuere lustig drauf los und prompt muss mir die "Deluz" noch einen letzten Streich spielen und macht sich selbständig. Ich betätige wie wild das Ruder und natürlich donnern wir links an die Mauer, welche uns wieder einen Fender abreißt. Trotzdem habe ich Glück, es ist weiter kein Schaden entstanden und ich werde nicht ausgeschimpft. Den Fender muss ich diesmal selbst wieder aus dem Wasser fischen....
Im Heimathafen "parkt" Rüdiger das Boot wieder ganz souverän am Anlegeponton - Muriel und ihr Team erwarten uns schon.

Noch am Abend laden wir unser Gepäck und die Reste Proviant aus und wieder in den kleinen Benz. Am nächsten Morgen, Samstag, übergeben wir die "Deluz" schweren Herzen wieder in die Obhut der Bordkosmetikerinnen, die sie innen und außen für die nächsten Süßwassermatrosen wieder auf Vordermann bringen werden.









Lexika (*)

Bug--> Vorderteil des Bootes  
Heck--> Hinterteil
Bug- u. Heckstrahlruder--> Propeller vorne oder hinten am Boot, zur Seitwärtsbewegung (BSR und HSR)
Ruder--> Dient zum Steuern des Schiffes
Wanten --> Seile zur Verspannung der Masten von Segelschiffen
Fender -->Schutzkörper entlang der Außenwand des Bootes
Brücke--> Oberer Kommandostand
Bimini --> Sonnensegel über dem oberen Kommandostand
Koje -->Bett
Poller -->Im Boden befestigte, kurze Pfähle, zum Anlegen
Penichette--> Kleine Peniche, französisches schmales Flussfrachtschiff
Sicherheitsschleusen--> Eigentlich nur ein Tor, welches geschlossen werden kann, um den Wasserdurchfluss abzuschwächen
Emmi -->Emmilein, die kleine Spinne.....
IO-->Erster Deckoffizier
Purser-->Verwaltungschef auf dem Boot, Komandogewalt über Kombüse (Pantry) und Proviant, präsentierte täglich 3 Mahlzeiten, Pantry so nennt man die Küche auf einem Schiff
Bunkern-->Wasser aufnehmen
Fieren-->Die Leinen ohne festzumachen zum Bremsen verwenden
Poller fangen-->Der IO hatte es meisterlich entwickelt, mit einem Wurf der Bucht (Lasso) einen Poller zu fangen
Aufschiessen-->Die Leinen in schönen Buchten zusammenlegen
Planke-->Brett zur Überbrückung der Kluft zwischen Boot und Ufer
Gangboard (Gunboard)-->Dieses Boot hatte keines, sonst zum Herumgehen ums Boot
Verkehrsregeln--> Talfahrende Schiffe haben an Engstellen Vorfahrt. Beim Fluß gilt die Fließrichtung, beim Canal die Kilometrierung

Anmerkungen vom Admini:
Die Information, dass das BSR und HSR nur unter 400 UPM funktioniert haben wir erst hinterher beim Studium des Bordbuches erfahren, leider nicht bei der Bootsübernahme.
Der Joystick funktioniert auch nur bei 0 UPM.
Die abgerissenen Fender haben wir alle aufgesammelt und wieder zurückgebracht, dort wurden sie mit neuen Leinen versehen und wieder festgemacht. Dadurch dass die Leinen über der Scheuerleiste liegen, reissen sie sofort ab, wenn die Scheuerleiste ihren Dienst tun soll.
Hätten wir gewusst, dass das BSR, HSR nur unter 400 UPM funktioniert, hätten wir auch die Tunnelwand nicht touchiert.

Die Treppe (Niedergang) auf einem Schiff (Hausboot) wird immer rückwärts begangen, damit kann man sich mit beiden Händen festhalten und sieht auch wohin man steigt. Dies ist die sicherste Methode und schont auch das Knie. Leider hat die Autorin dies nicht beherzigt.

Um eine bessere Übersicht oder auch Eindrücke  zu erlangen, solltem man eventuell dieses recht gute Video ansehen: https://youtu.be/SvmcsUGhkas

Wer noch die Urform des Reiseromans mit all seinen schönen Bildern lesen will, klickt hier!
Nochmals herzlichen Dank an die Autorin R. D. in Marly-le-Roi, IO+Purser auf der Deluz (ist auf der Website nicht ganz korrekt wiedergegeben)
Sie finden den Roman auch auf unserer Website http://wasserwege.net/news26.htm und dann nach unten scrollen bis zum Reiseroman von der Saone in Burgund.
Hier ist der Roman auch eingebunden, es gibt auch noch weitere Infos zum Waterway: https://www.skipperguide.de/wiki/Sa%C3%B4ne#Weitere_Informationen

Hier gibt es noch weitere Bilder: https://onedrive.live.com/?authkey=%21AITvPc7XPdLrb5c&id=F2A6DAA9BADF5ED3%213293&cid=F2A6DAA9BADF5ED3

Es gibt auch noch Links am Ende dieses Posts!!!
R. D. hat auch ein Update zum Roman geschrieben, den wir aber erstmal wieder hier einbauen müssen, also noch etwas Geduld?
Die begnadete Autorin diese schönen Romans beim (nach dem) ersten Frühstück (c) Rüdiger Steinacher
Der Elekromotor auf der Deluz (c) Rüdiger Steinacher


Die Kammer des Schreckens (c) Rüdiger Steinacher
So schauen die Ortschaften aus, die Kirchtürme haben alle diese typische Burgunderhaube (c) Rüdiger Steinacher
DIese Region wird überall gut beschildert (c) Rüdiger Steinacher
Jede Ortschaft hat ein "Waschhaus" (c) Rüdiger Steinacher
Bankmooring in der Wildnis ist immer noch am Schönsten (c) Rüdiger Steinacher
Ein wunderbarer Platz in Port -d'Atelier (c) Rüdiger Steinacher
Wunderbarer Platz in Bois Barbey (c) Rüdiger Steinacher
Der Hafen in Fontenoy, Bais von Le Boat (c) Rüdiger Steinacher
Das schöne Restaurant in Lamarche kurz vor Auxonne (c) Rüdiger Steinacher
Die Kammer des Scheckens, in Ormoy,  die Nischenpoller sind deutlich zu sehen (c) Rüdiger Steinacher


Das berühmte und schöne Restaurant in Ray-sur-Saone (c) Rüdiger Steinacher





Herrlicher Anleger in Baulay (c) Rüdiger Steinacher



Wunderbarer Ort am Vogesenkanal  in Pont-du-Bois © by Rüdiger Steinacher


Die Schleuse ein Wunderwerk der Technik, also Vollautomatisch in Pont-du-Bois © by Rüdiger Steinacher




Herrlicher Anleger in Bois  Barbey am Vogesenkanal, Reservat für Frösche,  © by Rüdiger Steinacher
Weitere Links:
Wie bekannt  © Copyright by R. D. Marly-le-Roi, 6/2019
http://wasserwege.net/2019-06-LaSaone%2019-7-19.pdf
http://wasserwege.net/2019-06-LaSaone%2019-7-19.pdf


https://french-waterways-pleasureboats.blogspot.com/2019/07/reiseroman-uber-den-schonsten-flu.html
Noch ein Link zum Skipper Guide dem besten maritimen Portal:
https://www.skipperguide.de/wiki/Sa%C3%B4ne#Weitere_Informationen
https://www.skipperguide.de/mediawiki/index.php?title=Sa%C3%B4ne&oldid=45968
















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